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Die slawische Siedlung am Schermützelsee und andere Sachen...

Autor: Peter Mehnert, Bildmaterial: Saskia Domke

Das "Antauch"-Wochenende am 24/25. Mai 2003 war nicht nur sinnlose Vernichtung von Grillware und Bier im Hektoliter Bereich - nein auch die ernsthafte Erforschung unseres Schermützelsees wurde weiterverfolgt.

Diesmal waren Diver Duckerin (zu Deutsch "Tauchentin") Saskia D. und Diver Ducker (zu Deutsch "Tauchenterich") Peter M. mit der Untersuchung der alten Slawensiedlung am Ostufer des Sees beschäftigt. Es wurden trotz schlechter Sicht die Ösenbalken (siehe Bild unten) wiederentdeckt und sogar noch einer zusätzlich gefunden.

Ihr werdet nun fragen "was sind Ösenbalken? - Und was unterscheidet sie eigentlich von Balkenösen?"

Hierzu sagt Peter M.: "Die slawischen Ösenbalken sind Konstruktionselemente, die vor allem Pfähle und Pfahlgruppen zusammenhalten, welche wiederum die Grundlage für Brücken, Stege, Hütten, Plattformen und ähnliches bieten."

Einen der zahlreichen noch vorhandenen Pfahlreste kann man schön auf dem folgenden Bild sehen. Leider ist die Sicht unter Wasser nicht immer optimal, so dass man selten einen Überblick bekommt und vernünftig fotografieren kann.

Wir sind also bei den Pfahlbauten der alten Slawen, die so grob um 1000/1100 n. Chr. auch am Schermützelsee ihre Villen mit Seeblick hatten. Allerdings waren ihre Holzbauten ohne Nägel gezimmert, die Verwendung von Ösenbalken spielte da eine besondere Bedeutung.

Beispielhaft (siehe Skizze 1) ist hier ein Detail einer Brückenkonstruktion abgebildet und man sieht wie geschickt die Brücke mit diesen Ösenbalken zusammengehalten wird.

Zwei typische Exemplare dieser Ösenbalken haben wir auch im Schermützelsee gefunden und vermessen. Sie sind ca. 2 Meter lang und haben rechteckige Aussparungen an beiden Enden.

Interessant war diesmal der Fund einer Art kleiner Ösenbalken, der in Form und Größe völlig von allem Bekanntem abweicht (siehe Skizze 2).

Die Verwendung ist unklar, insbesondere macht die große Aussparung in der Mitte Kopfschmerzen. Außerdem ist das ganze sehr fragil und sieht deshalb nicht nach einem Teil massiver slawischer Bausubstanz aus.

Bitte nehmt diesen kleinen Balken nicht aus dem Wasser, er würde an der Luft sofort Schrumpfrisse bekommen und in Teile zerbrechen. Nichts beim Tauchen wegnehmen sondern nur Gucken gilt hier genauso wie am Korallenriff in der Karibik, auch wenn Pfähle und Balken nicht ganz so schlimm beißen wie Muränen.

Für den besonders Interessierten können genauere Vermessungs- und Positionsdaten der Fundstellen beim Autor erfragt werden.

Saskia hat auch direkt hinter dem kleinen Balken zwei typische dunkelgraue Keramikscherben entdeckt. Sie sind nicht mit einer schnell drehenden Töpferscheibe gemacht, was man daran erkennt, dass parallel verlaufende Drehspuren fehlen und auch die Gefäßwandungen sind unregelmäßig dick. Die Scherben haben außen deutlich eine Engobe (feiner Tonschlicker), der die Oberfläche regelmäßig und das Gefäß wasserdicht macht. Alles deutet auf hin, das es sich hier um Keramikscherben des sogenannten Feldberger Typs der spätslawischen Zeit handelt. Die Härtemessung ergab ungewöhnlich niedrige Werte von ca. 1,5 Mohs. Eventuell spielt da die lange Lagerzeit im Wasser oder ein Niedertemperaturbrennvorgang bei der Herstellung eine Rolle.

Beim nächsten Tauchgang am Samstag war auch Daniela G. dabei. Eine merkwürdige Entdeckung gab es auf der Westseite des Sees, schräg gegenüber der versunkenen Slawensiedlung. In ca. 3m Tiefe liegt eine verschollene Ladung von unbeschädigtem einfachem, weißem Gebrauchsporzellan. Hunderte Einzelteile von Tassen, Tellern, Platten liegen da von Muscheln bewachsen auf dem Grund. Sie stammen von der Porzellanmanufaktur Alt-Schönwald und tragen eine Porzellanmarke in grüner Unterglasur, die zwischen 1927 und 1972 verwendet wurde. Eigentlich wollten wir ja die germanischen Palisaden finden, die da irgendwo unter Wasser sein sollen. An deren Stelle haben wir dann aber das Porzellan gesehen.

Nun, da bleibt eben noch was für das Tauchprogramm des "Abtauchens" übrig.

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